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Was steckt wirklich dahinter? - Die 11 größten Ernährungsmythen

Essen am Abend macht dick, der grüne Tomatenstrunk ist giftig, und nur dunkles Brot ist gesund. Mythen rund ums Essen halten sich über Generationen, unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Mythen rund ums Essen gibt es eine ganze Menge. Stimmen müssen sie deswegen aber noch lange nicht. „Grund für Ernährungsmythen sind oft Unsicherheiten, zum Beispiel bei der Frage, ob man Käserinde mitessen darf“, meint Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Häufig würden bestehende Verhaltensweisen auch einfach nicht infrage gestellt und so über Generationen weitergegeben, sagt er. Manche Legenden haben aber auch einen wahren Kern. Ein Überblick:

Mythos 1: Dunkles Brot ist gesünder als helles Brot.
Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl sei die Vollkornvariante die beste Wahl für die Gesundheit, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Lebensmittel aus Vollkorn sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe als Weißmehlprodukte.“ Kunden sollten wissen: Nicht jedes dunkle oder körnige Brot oder Brötchen ist auch ein Vollkornprodukt. „Brötchen kann man auch mit Malzextrakt dunkel und mit Sonnenblumenkernen körnig machen“, sagt Restemeyer. Nur wenn auf der Zutatenliste „Vollkorn“ steht, muss auch Vollkornmehl oder Vollkornschrot enthalten sein. Und wenn das Wort „Vollkorn“ sogar im Namen des Produkts vorkommt, enthält es mindestens 90 Prozent Vollkornmehl. „Brote oder Brötchen mit Bezeichnungen wie Vollwert, oder Mehrkorn sind meist nicht aus Vollkorn-, sondern aus Auszugsmehl hergestellt und mit Ölsaaten wie Leinsamen oder Sonnenblumenkernen versehen“, erklärt Restemeyer.

Mythos 2: Spinat darf man nicht noch einmal aufwärmen.
Das stimmt so nicht. Denn diese Ernährungsregel ist sehr alt. „Sie stammt noch aus Zeiten, in denen es keinen Kühlschrank gab“, sagt Monika Bischoff, Vorstandsmitglied im Berufsverband Oecotrophologie. Das Problem sei nicht das zweite Aufwärmen, sondern das langsame Abkühlen. Kühlt gekochter Spinat nur langsam ab, wandeln Bakterien im mittleren Temperaturbereich ungefährliches Nitrat im Gemüse in schädliches Nitrit um. Legt man Spinat dagegen sofort nach dem Kochen luftdicht verpackt in den Kühlschrank, verhindert das die Nitritbildung. Mit anderen Worten, auf diese Weise kann er danach auch problemlos noch einmal erwärmt werden.

Mythos 3: Kaffee entzieht dem Körper Wasser.
„Es schadet zwar nicht, zu einer Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken, notwendig ist es aber nicht“, sagt Restemeyer. Denn Kaffee werde wie alle anderen Getränke in die Flüssigkeitsbilanz einbezogen. Insgesamt sollte ein körperlich wenig aktiver Erwachsener bei mitteleuropäischen Temperaturen pro Tag etwa 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Dabei machen Speisen aber schon einen Liter aus, weil sie auch Flüssigkeit enthalten. „Nur die restlichen 1,5 Liter müssen zusätzlich über Getränke aufgenommen werden“, erklärt die Expertin der DGE.

Mythos 4: Pilze müssen gleich aufgebraucht werden.
Das ist ähnlich wie beim Spinat: Auch bei Pilzen ist das Aufwärmen an sich nicht problematisch. „Bei günstigen Bedingungen können sich in Pilzgerichten sehr leicht Keime vermehren“, sagt Restemeyer. Dabei entstehen toxische Amine, die beim Menschen zu schweren Unverträglichkeitserscheinungen führen können. „Reste sollten also schnell abgekühlt und nicht länger als 24 Stunden im Kühlschrank aufbewahrt werden.“ Beim Aufwärmen ist es ratsam, dass Pilze zügig durcherhitzt werden.

Mythos 5: In der Schale sind die meisten Vitamine.
Das stimmt. „Die meisten Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sitzen bei Obst und Gemüse direkt in oder unter der Schale“, erklärt Restemeyer. „Deshalb ist es wichtig, Obst und Gemüse mit Schale zu genießen.“ Der Vorteil überwiege im Vergleich zur gesundheitlichen Gefährdung aufgrund möglicher Pestizide in der Schale, sagt die Ernährungsexpertin. Und weiter: „Wer ganz sichergehen will, kauft Bioprodukte, vor allem dann, wenn man die Schale von Früchten wie Orangen oder Zitronen verwenden möchte.“

Mythos 6: Superfood macht fit und beugt Krankheiten vor.
Stimmt nur teilweise. „Sogenanntes Superfood sind Lebensmittel mit besonders vielen Nährstoffen“, erklärt Bischoff. Eine offizielle Definition des Begriffs gebe es aber nicht. Ob ein Lebensmittel wirklich fit mache und Krankheiten vorbeuge, hänge vom jeweiligen Produkt ab. „Heimisches Superfood wie Kohl ist gesund und macht fit“, sagt sie. Von exotischen Varianten wie Chiasamen oder Acaipulver rät sie ab: „Diese Produkte sind oft stark verarbeitet und können sogar mit Schimmel belastet sein.“

Yoghurt mit Blaubeeren, Banane, Mandeln und Kiwi – Getty Images

 

Mythos 7: Ein Schnaps nach dem Essen hilft der Verdauung.
„Das stimmt nicht“, sagt Restemeyer. Alkohol rege zwar die Magensäureproduktion an, könne womöglich ein Enzym zur Eiweißverdauung im Magen stimulieren und habe eine betäubende Wirkung auf die Magennerven. „Er hilft aber nicht bei der Fettverdauung.“ Vielmehr spalte der Verdauungstrakt vor dem Fett erst einmal den Alkohol auf, weil er auf diese Weise einfacher Energie gewinnt. Durchsetzt mit Korn oder Kräuterschnaps werde fette Kost also eher langsamer verdaut“, erklärt Restemeyer. Die erhöhte Magensäureproduktion trägt aber dazu bei, dass eiweißreiche Lebensmittel wie etwa Fleisch und Eier besser verdaut werden. „Die Nahrung wird schneller zerkleinert und weich gemacht, so dass dadurch einem Völlegefühl besser entgegengewirkt werden kann, auch wenn die Nahrung länger im Magen verweilt.“ Die narkotische Wirkung des Alkohols schwächt ein unangenehmes Völlegefühl zusätzlich ab.

Mythos 8: Gefrorenes Essen verdirbt nicht. Stimmt so nicht.
„Einfrieren ist eine empfehlenswerte Methode, um Lebensmittel mittel- bis langfristig aufzubewahren“, sagt Restemeyer. Infolge des Lagerns bei Temperaturen von minus 18 Grad blieben Nährstoffe, Geschmack und das Aussehen weitestgehend erhalten. Mit der Zeit fänden aber trotzdem Abbauprozesse statt, erklärt sie. Diese haben zur Folge, dass die Lebensmittel irgendwann nicht mehr gut schmecken. „Fett wird beispielsweise wegen des Sauerstoffs oxidiert und mit der Zeit ranzig“, so Restemeyer. Die maximale Lagerzeit im Tiefkühlfach betrage für Fleisch je nach Art drei bis zwölf Monate, für Gemüse sechs bis zwölf und für Obst acht bis zwölf Monate. Fertige Speisen seien bis zu drei Monate haltbar. Restemeyer rät: „Wer die Verpackung mit Einfrierdatum, Menge und Inhalt beschriftet, behält den Überblick über den Vorrat.“

Mythos 9: Am Abend essen macht dick.
„Wer zu viele Kalorien zu sich nimmt, nimmt zu. Wer zu wenig Kalorien zu sich nimmt, nimmt ab“, sagt Bischoff. Für Gesunde in einer normalen Gewichtsgruppe sei es irrelevant, wann sie das Essen einnehmen. „Wer abnehmen möchte, kann aber trotzdem ausprobieren, abends auf das Essen zu verzichten“, sagt die Ökotrophologin. Vielen Menschen falle es leichter, abends auf eine Mahlzeit zu verzichten als zum Beispiel am Morgen.

Mythos 10: Käserinde darf man nicht mitessen.
Das kommt ganz auf die Herstellung an. Entscheidend ist dabei, wie die Rinde entstanden ist. „Natürlich gereifte sowie unbehandelte Käserinden sind essbar und geben wie zum Beispiel bei Edelschimmelkäse ein besonderes Aroma“, erklärt Ernährungsexperte Seitz. Künstliche Käserinden aus Wachs oder Kunststoff seien dagegen nicht zum Verzehr geeignet. „In diesem Fall muss ein Hinweis auf der Verpackung stehen, der das deutlich macht“, erklärt er. Es gibt zudem einen weiteren Aspekt zu beachten: Auch wenn der Käse laut Hinweis auf der Packung mit Natamycin, einem Zusatzstoff zur Schimmelverhütung, behandelt wurde, sollte man nach Empfehlungen des Bundeszentrums für Ernährung die Rinde nicht essen.

Mythos 11: Der grüne Tomatenstrunk ist giftig.
Ja, aber: Die grünen Stellen an der Tomate enthalten Solanin. „Dieses Gift dient der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen“, erklärt Seitz. Bei Menschen können Vergiftungserscheinungen wie Kopfund Bauchschmerzen auftreten, wenn die Betroffenen sehr viel Solanin aufnehmen. Dafür müsste ein Erwachsener aber eine sehr große Menge unreifer Tomaten oder Strünke essen, heißt es. Das sei aber in der Praxis alles andere als üblich, erklärt der Experte Seitz, und mit Blick auf die Gesundheit deshalb kaum von Bedeutung.

Von Pauline Sickmann