Der neue Minimalismus beim Wohnen - modern und schlicht

Nachdem auf der Möbelmesse IMM Köln vor zwei Jahren noch die „German Gemütlichkeit“ ausgerufen wurde, sehen Trendforscher jetzt eine neue Gemüt­lichkeits-Variante aus Skandinavien im Kommen – und die könnte tatsächlich das Zeug zum Klassiker haben. Der neue Stil ist schlicht und arbeitet mit minimalistischen Formen, ohne kühl zu sein, und ist dekorativ, ohne sich im Detail zu verlieren. Diese ausgewogene moderne Mischung braucht den richtigen Rahmen. Ideal sind Möbel, die mit der Architektur eine Linie bilden und nicht so sehr als Volumen hervorspringen. Sie bringen optische Ruhe in eine Wohnung. Ihre Funktion ist es in erster Linie, Stauraum zu bieten oder Stellplatz zu sein. Dann kommen ausgesuchte Möbel und Objekte wie etwa ein beson­ders schöner Schrank, ein Bild, ein Sessel oder eine skulpturale Leuchte auch sehr gut zur Geltung. Es geht also um Reduzierung, ums Weglassen und um Ordnung. Doch wie realisiert man nun einen minimalistischen Einrichtungsstil? Hier stehen individu­elle Bedürfnisse der Bewohner im Vordergrund. Wo brauche ich besonders viel Klarheit und wo weniger? Die einen bevorzugen zum Beispiel eine aufgeräumte Optik im Bad, andere im Schlafzimmer. Im Wohnzimmer kann ein minimalistisches Interior Design schnell kühl und repräsentativ statt warm und einladend wirken, wenn man die falschen Materialien wählt. Heute gilt ja ein Mix & Match geradezu als Inbegriff von Kennerschaft und Trendbewusstsein-und so kann schlicht und gemustert, modern und Flohmarkt heute sehr gut zusammen gehen. Doch solche Akzente sollten äußerst sparsam gesetzt werden. Und dies macht den „neuen Minimalismus“ aus. Es geht um reizarme Räume, um das moderne, informationsgeladene Leben zu bewältigen. Und für viele Menschen ist ihr zuhause dieser Raum. Ein ästhetisch aus­gewogenes, geordnetes Umfeld, das nicht ständig danach schreit, aufgeräumt, geputzt oder abgearbeitet zu werden, hilft dabei. Geschlossener Stauraum und klare Linien sind dafür ideal“ so der Kölner Design-Journalist und Trendforscher Frank A. Reinhardt.

Minimalismus und Wohnlichkeit müssen kein Widerspruch sein

Dass Minimalismus und Wohnlichkeit sich nicht widerspre­chen müssen, zeigen traditionelle Wohnstile wie eben aus dem skandinavischen oder auch japanischen Kulturkreis. Es kommt auf die Kombination von klaren Linien mit wärmeren Tönen, wohnlichen Materialien wie Holz und Textilien an. Auch weich gerundete Volumen sind im Minimalismus „erlaubt“. Minimalis­tisch heißt ja nur, dass eine Form nichts Überflüssiges aufweisen sollte, und vielleicht noch, dass dabei eine möglichst minimale Materialstärke erreicht wird, wodurch im Idealfall Klarheit und Leichtigkeit erzielt werden. Wer dabei mit Holz und warmen Far­bentönen arbeitet und den Eindruck der Leichtigkeit nicht gleich mit Tonnen von „unnötiger“ Deko zunichtemacht, kann sich sehr wohl minimalistisch und gemütlich einrichten. Das Licht tut ein Übriges. Hier kann man heute wunderbar mit hinter Leisten oder in Decken integrierten Lichtquellen arbeiten.