ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht von Sabine Meuter vom 3. Oktober 2018: Ein Klassiker der nordischen Küche: Matjesfilets. Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Mittelmeer oder Nordsee? - Wissenschaftler haben die mediterrane Kost mit der nordischen Diät verglichen

Im Idealfall ist das Essen nicht nur lecker, sondern auch gesund. Viele schwören auf mediterrane Kost, die vor allem auf frisches Obst wie sonnengereifte Pfirsiche, auf Olivenöl, Nüsse und Fisch setzt. Wer sich so ernährt, hat ein geringeres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden oder an Diabetes zu erkranken. Doch die Mittelmeerkost hat für Mittel- und Nordeuropäer einen kleinen Haken. Nicht alles ist in unseren Breitengraden frisch verfügbar. Wer lieber regional isst, kann sich an der nordischen Diät orientieren. „Hierbei handelt es sich nicht um eine klassische Diät, sondern um eine langfristige Ernährungsweise für Nordeuropäer“, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Sie ist an die nordischen Verhältnisse und die dort verfügbaren und traditionell verwendeten Lebensmittel angepasst. „Das sind etwa Äpfel, Birnen, Beeren, Wurzelgemüse, Kohl, Vollkorngetreide, Roggenbrot und Getreideflocken“, sagt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik. Außerdem gehören Fisch, Milch und Milchprodukte, Kartoffeln und regional typische pflanzliche Fette dazu.

Kurze Wege, viel Geschmack

In heimischen Beeren, in Kohl und in Wurzelgemüse stecken viele wichtige Vitamine. Regionale und saisonale Obst- wie Gemüsesorten haben viel Geschmack. Weil sie nicht erst aus der Ferne herbeigeschafft werden müssen, gehen auch nicht so viele Inhaltsstoffe verloren. Tierische Produkte wie Fleisch oder Eier stehen nur selten auf dem Speiseplan der nordischen Diät. Als gesunde Sattmacher gelten Produkte aus Vollkorngetreide oder auch Roggenbrot. In ihnen stecken viele gute Kohlenhydrate und Mineralstoffe. Fette aus hochwertigem Rapsöl und daraus hergestellte Streichfette sollten in Maßen, aber täglich verzehrt werden. Zur nordischen Diät gehören außerdem Fisch und Meeresfrüchte, die viele gute Fette enthalten. Auch hier sind es Sorten aus regionalen Gewässern wie etwa Barsch, Forelle, Hering, Lachs oder Makrele. Fettarme Milch und Milchprodukte stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Heimische Kartoffeln liefern viele wichtige Ballaststoffe. Frische Kräuter und Pilze aus dem Wald geben den Mahlzeiten den richtigen Pfiff. Keinesfalls fehlen darf reichlich Wasser: pro Tag mindestens anderthalb Liter – auch als ungesüßte Früchte- oder Kräutertees. Snacks mit viel Zucker oder Alkohol gehören nur in Maßen auf den Tisch.

Aber ist die nordische Diät tatsächlich genauso gesund wie die mediterrane Kost? „Das ist bislang noch nicht so ganz klar“, erklärt Professor Matthias Schulze. Er ist Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Wissenschaftler um Schulze haben die Daten von rund 27 500 Menschen ausgewertet. Dabei wurde auch der Einfluss der nordischen Diät untersucht. Anhand von Punkten berechneten die Forscher, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Grad, mit dem die nordische Diät eingehalten wurde, und dem Auftreten von Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs. „Es konnten keine positive Auswirkung der nordischen Diät auf Diabetes festgestellt werden“, sagt Schulze. Nach seinen Angaben weisen die Ergebnisse aber darauf hin, dass, wer sich auf diese Art ernährt, seltener an einem Herzinfarkt erkranken könnte. Einen Zusammenhang zwischen nordischer Diät beziehungsweise Mittelmeerkost und Krebserkrankungen sahen die Wissenschaftler nicht. Möglicherweise könnten aber die beiden Ernährungsweisen doch das Risiko für Krebserkrankungen senken. „Dafür müsste aber erst noch in weiteren Studien das Augenmerk gezielter auf einzelne Krebsarten gelegt werden“, sagt Schulze.

Diabetes unwahrscheinlicher

Die gute Nachricht ist aber: Obwohl sie hier nicht heimisch ist, scheint die Mittelmeerdiät auch in Deutschland Wirkung zu zeigen. Teilnehmer, die sich relativ strikt an die Mittelmeerkost hielten, hatten der Potsdamer Studie zufolge ein um 20 Prozent niedrigeres Risiko, an Diabetes vom Typ 2 zu erkranken als Teilnehmer, die sich nur teilweise mediterran ernähren. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass mit der Mittelmeerkost das Risiko für einen Herzinfarkt niedriger ist. „Nach unseren Ergebnissen sind die positiven gesundheitlichen Folgen für Menschen, die den Regeln der mediterranen Ernährung folgen, größer, als wenn sie auf die nordische Diät setzen“, so Schulze.

Die mediterrane Kost könne nicht nur in Mittelmeerländern, sondern auch in Deutschland das Risiko für chronische Erkrankungen senken. Das heißt: Wer reichlich Gemüse, Obst, Nüsse, Samenkörner, Fisch, Hülsenfrüchte, Getreide und Olivenöl, aber wenig Fleisch, Milch und Milchprodukte verzehrt, lebt gesund. Generell gilt beim Kochen und Essen: „Möglichst regionale und saisonale Produkte verwenden“, sagt Morlo. Vorzugsweise sollten zudem Bio-Lebensmittel konsumiert werden. Sie sind laut Morlo nachweislich gesünder als herkömmliche Lebensmittel. Fertigprodukte sollten nur selten zum Einsatz kommen. Für ein gutes Körperund Lebensgefühl ist auch eines wichtig: „Achtsam und mit Genuss essen“, sagt Morlo.

Von Sabine Meuter